5000km rund um die Ostsee

Vor großem Publikum startete die diesjährige SCAN Tour am 2. August rund um die Ostsee auf der Seepromenade in Zinnowitz auf Usedom. Jung und Alt waren gekommen, um die Abfahrt der 32 historischen Fahrzeuge durch das Starttour von Classic Car Highlights mitzuerleben. So wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung den 64 Teilnehmern, die sich mit ihren Oldtimern diesem Abenteuer gestellt hatten, der gebührende Respekt erwiesen.
Das Organisationsteam um Ulrich Indefrey, Theo und Angelika Sprenger, sowie Mechaniker Detlef Hesse mit Michael Frerichs auf dem Service Wagen, hatten am Vorabend das Teilnehmerfeld im Park Hotel gebührend empfangen und bei bestem Wetter und einem vortrefflichen Abendessen auf die vor ihnen liegenden 5000 Kilometer eingestimmt. Die Strecke führte von Deutschland aus durch sieben Staaten und ihre Hauptstätte wieder zurück nach Rostock.

Etappe 1
von Usedom nach Koszalin

Start in Zinnowitz

Die erste Etappe brachte uns über 200 Km entlang der polnischen Ostseeküste nach Westpommern in das gemütliche Hotel Bernsteinpalast nahe Köslin. In dem idyllischen parkähnlichen Garten ließ sich trefflich entspannen. Gut, dass noch keiner ahnte, was uns Petrus am kommenden Tag auf die Wetterkarte geschrieben hatte, sonst hätte es so manche schlaflose Nacht gegeben.

Etappe 2
Von Koszalin nach Sopot

Es war eine Sintflut, die bis in den Nachmittag den Teams alles an fahrerischem Können und vor allem den Cabriolet Fahrern an Durchhaltevermögen abverlangte. Spritzwasserfontänen, eindringendes Wasser und tückisch verdeckte Schlaglöcher, erforderten allerhöchste Aufmerksamkeit und gute Nerven auch bei den Copiloten. Aber alle meisterten diese Herausforderung mit Bravour, sodass alle am Abend wohlbehalten das Grand Hotel in Sopot erreichten. Für so manchen waren kleinere Wartungsarbeiten am Fahrzeug angesagt, Batterien wurden frisch nachgeladen und nasse Klamotten versorgt. Schließlich fanden sich aber alle gut gelaunt zum gemeinsamen Abendessen im Grand Hotel ein und genossen das stilvolle Ambiente dieses exklusiven Hauses.

Etappe 3
von Sopot nach Mragowo

Am Oberländischen Kanal

Der nächste Tag begann mit einer geführten Besichtigung Danzigs mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Im weiteren Verlauf stand die Marienburg auf der Tagesordnung. Hier war auch die Durchfahrtskontrolle eingerichtet. So mancher besichtigte auch noch das technische Meisterwerk am Oberlandkanal, wo die Schiffe mittels Wasserkraft auf Waggons über Land gezogen werden und so eine intelligente Alternative zum Schleusenbetrieb zu bestaunen war.

Etappe 4
von Mragowo nach Augustow

Orgel in der Wallfahrtskirche Hieilig Linde

Nach der Übernachtung in Mragowo genossen wir die herrliche Landschaft der Masuren. Die heilige Linde konnte angefahren werden und so manch einer hatte besonderes Glück und kam dort in den Genuss eines Orgelkonzertes. Auch die Wolfsschanze wurde von vielen Teilnehmern besichtigt und wer Lust hatte, nahm noch die Flaniermeile in Mikolaiki mit. Am Abend erreichten wir nach rund 230 Km in Augustow unser letztes Etappenziel in Polen.

Etappe 5
Von Augustow nach Vilnius

Schmuckes Häuschen in Litauen

Bereits nach 50 Kilometern erreichten wir heute die Grenze nach Litauen. Hier waren, dank Schengener Abkommen, keine lästigen Grenzformalitäten mehr notwendig. Auch wer noch die Inselburg Trakai besichtigte, erreichte zeitig Vilnius und hatte Gelegenheit, die Altstadt zu besuchen, oder auf der Hotelterrasse die hochsommerlichen Temperaturen bei einem eisgekühlten Drink zu genießen. Am heutigen Abend wurden unsere drei Teams mit den Vorkriegsautos verabschiedet, die leider aus zeitlichen Gründen nur bis Klaipeda dabei sein konnten. Der Sunbeam, der Piece Arrow und der Buick hatten die Etappen souverän mitgehalten und bekamen, trotz der kürzeren Teilnahme, aus Respekt vor dieser Leistung jeder die Medallie mit goldenem Kranz überreicht und wurden mit viel Beifall belohnt.

Etappe 6
Von Vilnius nach Klaipeda

Das Herzstück der folgenden Etappe bildete die romantische Streckenführung entlang der Memel. Bei der Durchfahrtskontrolle in Jubarkas waren die Oldtimer einmal mehr der Publikumsmagnet für zahlreiche einheimische Bewunderer. Trotz der relativ langen Etappe von 330 Kilometern blieb in Klaipeda noch Zeit für einen Besuch der Stadt. Wer wollte besuchte hier das „Ännchen von Tharau“ und so mancher trällerte das altbekannte Lied versonnen vor sich hin.

Etappe 7
Von Klaipeda nach Liepaja

Thomas-Mann-Haus, Kurische Nehrung

Einer der Höhepunkte der Reise war der heutige Besuch auf der Kurischen Nehrung. Kiefernwälder säumen die Straße in Richtung sowjetische Enklave, von der Morgensonne in ein schönes Licht getaucht. Das Thomas Mann Haus war zu besichtigen, die Wanderdüne wurde bestiegen und wer es entspannt haben wollte, setzte sich an den Kilometer langen feinen Sandstrand und nahm ein erfrischendes Bad. Nach der DK im internationalen litauischen Ostseebad Palanga, fuhren wir weiter über die Grenze nach Lettland. In Liepaja wurden wir im Hotel herzlich aufgenommen. Viel zu erzählen gab es anschließend auf der Terrasse bei kühlen Getränken. Am Abend wurde dem „Geburtstagskind“ Hubert mit einem Ständchen der gesamten Truppe gratuliert. Der ließ sich nicht lumpen und revanchierte sich mit einer Runde Sekt und gab damit der ohnehin guten Stimmung weiteren Schwung.

Etappe 8
von Liepaja nach Riga

In Riga

Die erste Woche der Reise lag nun hinter uns und wir begaben uns auf die nächste Etappe, die uns 250 Km durch die schöne lettische Landschaft, vorbei an dem prominenten Badeort Jurmala, nach Riga führte. Michael winkte die Teilnehmer an verabredeter Stelle von der Autobahn und wir nahmen mit den Autos Aufstellung am BMW Autohaus am Stadtrand von Riga. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Häppchen ging es mit einer Polizeieskorte, bestehend aus zwei Streifenwagen und sechs Motorrädern, im Konvoi auf den Domplatz in der Innenstadt. Die Schmuckstücke passten wie angegossen in das historische Ambiente und fanden bei ungezählten Passanten entsprechende Beachtung und viel Bewunderung. Von hier aus konnten wir per pedes unsere Runden durch die schöne Altstadt drehen. Einmal mehr fanden die Geschäfte rund um das Thema „Bernsteinschmuck“ nicht nur bei den Damen reichlich Anklang.

Etappe 9
Von Riga nach Tallin

Leonid nach seinem Crash

Nach dem Start fuhren wir am nächsten Tag das Motormuseum am Stadtrand von Riga an. Agris Smits, der Direktor, hatte bereits die Organisation unserer Oldtimerpräsentation mit Unterstützung der Konrad Adenauer Stiftung vor Ort hervorragend organisiert. Heute hatte er uns zu diesem Besuch eingeladen. Eine sachkundige Führung rückte die erstaunlich vielfältigen Exponate ins rechte Licht. Besonders plastisch dargestellt waren die sowjetischen Staatskarossen mit täuschend ähnlich nachgebildeten Figuren: Stalin im Fond hinter Panzerglass, Crustschow winkend neben der Limousine und Breschnew im Auto mit zerknautschter Frontpartie, der sich selbst ans Lenkrad gesetzt und bei einem Zusammenstoß mit einem Lieferwagen den staatseigenen Rolls Royce „geschrottet“ hatte. Da wir ja alle Frühaufsteher sind, schafften wir die 310 Km über die hervorragend beschaffene Via Baltica (eine wahre Erholung für alle Sportwagenfahrer) nach Tallin. So blieb Zeit genug, um in der wunderschönen Altstadt bei angenehm sommerlichen Temperaturen zu flanieren.

Fährüberfahrt
Von Tallin nach Helsinki

Auf der Fähre nach Helsinki

Zehn Kilometer auf eigener Achse. Das war heute das fahrerische Programm. Nach der kurzen Anfahrt in Tallin zum Hafen, brachte uns die Fähre in zwei Stunden nach Finnland und vom Hafen in Helsinki in wenigen Kilometern ins Hotel. Bereits um zwei Uhr konnte man in der historischen Markthalle oder in der Altstadt sein. So blieb genügend Zeit, sich einiges anzuschauen, ehe wir uns um 19 Uhr im Offizierskasino zum gemeinsamen Dinner trafen. Das Buffet bot eine Vielfalt von skandinavischen Spezialitäten und wurde viel gelobt. Bei guter Stimmung und angeregten Gesprächen ließen wir dann den Abend auf der Hotelterrasse gemütlich ausklingen.

Etappe 10
Von Helsinki nach Turku

Zeigt her eure Füße!

Nachdem wir am folgenden Tag Helsinki über die Autobahn verlassen hatten, ging es über Land weiter Richtung Turku, durch wunderschöne, typisch finnische Landschaften. Die dunkelrot gestrichenen Holzhäuser in den grünen Kiefernwäldern boten einen idyllischen Anblick. Die Straßen waren gut ausgebaut und überwiegend wenig befahren, also ein Wohlgenuss für den gepflegten Automobilisten. Lediglich das Auffinden der DK geriet etwas holperig. Rätselraten um die Kilometerangabe und den tatsächlichen Namen des Restaurants, hatten einen regen Hin- und her Verkehr zwischen Km 140 und 150 zur Folge. Letztendlich fanden sich aber alle nach und nach ein und wurden durch die wunderschöne Lage am See und ein erfrischendes Bad in selbigem, reichlich entschädigt. In Turku angekommen, lud die Terrasse, sehr schön an der Flusspromenade gelegen, zur geselligen Runde ein.

Etappe 11
Von Turku nach Stockholm/ Schiffspassage durch die Schären

Schiffspassage durch die Schären

Kaiserwetter bei der Tagespassage durch die Schären nach Stockholm. Wir hatten es uns so erhofft und täglich in unser Abendgebet eingeschlossen. Petrus hatte mit dem Regentag auf der zweiten Etappe wohl alles Düstere vorweggenommen und so wurde unser inständiges Flehen erhört. Um halb sechs hieß es: Aufstehen! Sollten doch alle pünktlich um sieben am Terminal von Silja Line angetreten sein. Das klappte wieder vorzüglich. Selbst ein liegen gelassenes Paar Schuhe konnte mit diesem üppigen Zeitpolster noch mühelos vom Hotel nachgeholt werden. Sonnenbaden an Deck, ein kleiner Lunch zu Mittag, Kartenspielen im klimatisierten Innenbereich. Vieles war möglich, die Überfahrt abwechslungsreich zu gestalten. Das ganz Besondere aber war das Betrachten dieser einmaligen Landschaft mit ihren hunderten von kleinen und größeren Inseln, manchmal wie an einer Perlenschnur aufgefädelt. Einfach traumhaft. Am Abend bei dem hervorragenden Dinner, stellte uns Uli seinen Freund Henning vor, der für den folgenden freien Tag in Stockholm so einiges organisiert hatte.

Ruhetag
Aufenthalt in Stockholm

In Stockholm

Auch wenn der Ruhetag Zeit zum Ausschlafen bot, waren doch viele wieder früh auf den Beinen, denn Stockholm hatte einiges an Sehenswertem zu bieten. Ob per pedes oder mit dem Wassertaxi: Es gab viele Möglichkeiten diese außergewöhnliche Stadt zu durchstreifen. Die Altstadt „Gamla Stan“, die Wachhablösung am Königspalast, das Wasa Museum, um nur einige zu nennen, waren begehrte Ziele. Am Abend sorgte die Fahrt mit einer historischen Straßenbahn durch die Stadt für Begeisterung und das anschließende Abendessen an Bord der „Stockholm“, während die Schärenlandschaft an uns vorbeizog, war ein weiterer Höhepunkt, der uns alle in bester Erinnerung bleiben wird. Im Rahmen des Dinners gratulierten wir auch unserem zweiten Geburtstagskind Carolin Rumrich mit einem Ständchen und Theo überreichte ein Geschenk des Veranstalters zum Andenken an ihren 18. Geburtstag in Stockholm.

Etappe 12
von Stockholm nach Kalmar

Gruppenbild zur Erinnerung

Ausgeruht nahmen wir am folgenden Tag die Etappe nach Kalmar in Angriff, mit ca. 450 Kilometern die längste der Tour. Kurz nach dem Start stand zunächst der Besuch der feinen privaten Oldtimersammlung von Henning auf dem Programm. Nach unserem Abschied, mit bestem Dank für seine Unterstützung während unseres Aufenthaltes in Stockholm, ging es entlang der Küste Richtung Süden und später auf der gut ausgebauten E 22 Richtung Tagesziel. Entgegen allen Prognosen, machte das Wetter auch heute gegen Mittag wieder auf und bescherte uns erneut das Geschenk eines gemütlichen Sommerabends auf der Hotelterrasse. Wer wollte, machte noch einen Bummel in die Stadt oder durch den Park zum imposanten Schloss, das ganz in der Nachbarschaft lag.

Etappe 13
Von Kalmar nach Kopenhagen

Das Ziel der vorletzten Etappe hieß Kopenhagen und auch diese Etappe war mit seinen 350 Kilometern nicht „von schlechten Eltern“. Dennoch ließen es sich die meisten Teams nicht nehmen, die empfohlene Route abseits der Schnellstraße zu folgen und wurden durch die schöne, abwechslungsreiche schwedische Landschaft belohnt. Gegen 16 Uhr waren die Teams nach Überfahrt der imposanten Öresundbrücke - die auch ziemlich viele Öre kostete - am Hotel eingetroffen und hatten durch das auf 20:30 Uhr später angesetzte Abendessen noch genügend Zeit, der letzten Hauptstadt auf unserer Tour einen Besuch abzustatten.

Etappe 14
von Kopenhagen nach Rostock/ Das Ziel ist erreicht

Bei der Siegerung

Alles geht einmal zu Ende. Die letzte Strecke führte uns zunächst nach Gedser. Die heute maßvollen, etwas mehr als 100 Km zum Fähranleger, der um 12 Uhr erreicht sein wollte, bot Gelegenheit, sich um sieben Uhr noch einmal im Bett umzudrehen und ein kleines „Traumstündchen“ nachzuschieben. Der Tag begann bei verhangenem Himmel mit reichlich Regen, der sich aber glücklicherweise verzog, sodass wir die Fährüberfahrt auf Deck genießen konnten. In Rostock blieb Zeit, die Stadt noch zu erkunden, bevor um 19 Uhr zum Abendessen und anschließender Siegerehrung geladen war. Uli hatte seine „Hausaufgaben“ wieder bestens erledigt und ließ Team für Team die große Runde um die Ostsee Revue passieren und brachte viele kleine Anekdoten in Erinnerung. Theo beglückwünschte die Teilnehmer und überreichte die wohlverdienten Medaillen. Alle waren sich einig: Die lange Tour war eine echte Herausforderung, die mit vielen unvergesslichen Eindrücken in bester Erinnerung bleiben wird, ganz besonders weil alle Teams mit ihren Fahrzeugen auf eigener Achse das Ziel gesund und munter erreichten.


Text: Theo Sprenger
Fotos: Theo Sprenger

Scan-Tour 2010

2. - 20. August 2010

Daten zur Tour:

  • 32 Fahrerteams
  • 15 Etappen
  • 1 Ruhetag
  • ca.5000 km

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