SPÄTSOMMER IN DER NORMANDIE UND BRETAGNE

„Spätsommer in der Normandie und Bretagne“, so lautete der Untertitel unserer dritten Reise nach Frankreich, die uns bis zum westlichsten Zipfel der Bretagne bringen sollte. Unser demonstrativer Optimismus zur Wetterlage wurde bei Weitem übertroffen. Zwei Wochen konnten wir uns vom ersten bis zum letzten Kilometer an der Sonne erfreuen, die verlässlich jeden Tag vom Himmel lachte. Was für ein Geschenk! Einigen ging bereits zur Halbzeit in Pont Aven die Sommerwäsche aus, aber sei´s drum, wir haben es genossen.
Schon in Hillesheim saßen wir zum Begrüßungssekt auf der Hotelterrasse. Angelika und Theo hießen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich willkommen und luden anschließend zum Dinner in das schöne Atrium. Zunächst wurden die Tour Unterlagen ausgegeben, für jedes Team in einer Tasche aus Angelikas Nähstube, blau/weiß gestreift, wie es sich für die Bretagne gehört. Sie enthielt neben vielen Informationsbroschüren zu Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke, den „Kleinen Reisführer“, von Theo eigens für diese Reise wieder zusammengestellt und das Roadbook. Des „Fahrers Bibel“ war über 100 Seiten dick geworden, führte uns doch die lange Reise über viele kleine Nebenstrecken, wo es Einiges zu entdecken gab. Zur Einstimmung, was uns bei den Galliern erwarten würde, gab es zusätzlich für jedes Team ein Asterix Heft, entsprechend der jeweiligen Startnummer.

1. ETAPPE / Hillesheim - Mons

Am ersten Tag kamen wir bald über die Grenze nach Belgien. Die Fahrt durch die Ardennen machte richtig Laune. Die Cabrios fuhren natürlich „oben ohne“. Alle gaben ordentlich Gas, sodass die ersten die empfohlene Mittagsrast viel zu früh erreichten und weiterfuhren, um sich auf eigene Faust nach einem schönen Plätzchen zur Pause umzusehen. Wir wollten ja auch zeitig in Mons eintreffen, um vom Hotel aus noch einen Bummel in die sehenswerte Altstadt zu machen. Allerdings brachte uns eine aktuelle Baustelle in der Stadt ziemlich ins Schwitzen, da die Umleitung nicht ausgeschildert und in dem Einbahnstraßengewimmel die Orientierung nicht einfach war. Aber schlussendlich haben alle das Ziel erreicht.

2. ETAPPE / Mons - Le Touquet Plage

Heute kamen wir durch das Gebiet der Somme, wo eine Vielzahl von Soldatenfriedhöfen Zeugnis von den tragischen Ereignissen des ersten Weltkrieges ablegen. Zu diesem Thema war in Albert auch ein Museum zu besichtigen. Nach einer schönen Nebenstrecke, vorbei an der Abbaye Valloires, erreichten wir dann am Nachmittag das erste Etappenziel an der Küste in Le Touquet Paris Plage. Im exquisiten Hotel Westminster waren wir toll untergebracht, allerdings waren 8 Euro (in Worten acht!) für das kleine Bier richtig heftig. Schwamm drüber. Zu Fuß war man in wenigen Schritten im quirligen Zentrum, wo es Alternativen gab und die Austernfans das erste Mal zuschlagen konnten.

3. ETAPPE / Le Touquet Plage - Cabourg

Der erste Küstenabschnitt führte uns entlang der Côte D´Albâtre mit phantastischen Ausblicken auf die Kreidefelsen. Und auch heute gab es reichlich Fisch und Fruit de Mer an ungezählten Ständen und Restaurants. Besonders der mittlere Abschnitt der Etappe bot hochkarätige Fotomotive im gefühlten 15 Minuten Takt, am Schluss gekrönt von dem Blick auf die Felsnadel von Etretat. Die Bummler nutzten den Hinweis im Roadbook auf die Abkürzung über die Pont de Normandie, eine gewaltige Brücke über die Seine Mündung. In Cabourg logierten wir im Grand Hotel, dem ersten Haus am Platze, wunderschön direkt an der Promenade gelegen. Ein perfekter Abschluss des Tages.

4. ETAPPE / Cabourg - St. Malo

Auf der Weiterfahrt an der Côte Fleurie gab es viele Haltepunkte zum Thema D´Day und der Invasion am Ende des zweiten Weltkrieges. So mancher nutzte die Hinweise im kleinen Reisführer zu Museumsbesuchen. Bei der Durchquerung des Cotentin fuhren einige auch Bayeux an, um den berühmten Teppich von Bayeux zu sehen. Bald kam der Mont St. Michel in Sicht, der sich majestätisch aus dem Meer erhebt. Nach weiteren 40 Km Küstenstraße erreichten wir St. Malo, wo wir uns für zwei Übernachtungen im Hotel Le Nouveau Monde, auch direkt an der Promanade gelegen, einrichteten. Im Speiseraum hatten wir beim Abendessen freie Sicht auf´s Meer und bekamen hautnah mit, wie die Flut an diesem Abend richtig Fahrt aufnahm. Es war eine Springflut zur Mondwende. Die Brecher krachten mit Urgewalt an die Ufermauer und Gischtfontänen spritzten über die Promenade. Ein tolles Spektakel. Nach dem Essen gingen noch viele von uns ´raus und genossen diese tolle Atmosphäre mit der Nase im Wind.

FREIER TAG IN ST.MALO

Einige unternahmen bei bestem Wetter einen Ausflug in das alte Seeräuberstädtchen, das mit einem schönen Spaziergang entlang der Promenade gut zu erreichen war. Beim Rundgang über die imposante Stadtmauer sorgten jede Menge Fotomotive für Begeisterung. Viele Crèperien lockten mit herzhaften Galletes und einem gut gekühlten Cidre. Andere machten einen Besuch am Mont St. Michel oder anderswo in der näheren Umgebung und die Unerschrockenen stürzten sich in die Fluten, bei immerhin knapp über 20° Wassertemperatur. Heiner, Detlef und Paul hatten am Horch zu schrauben. Bei so viel versammelten Sachverstand war das Ergebnis natürlich positiv und der Horch konnte auf der Weiterfahrt auch wieder bremsen. Es gab viel zu erzählen am Abend beim Dinner.

5. ETAPPE / St. Malo - Pont Aven

Koffer packen und wieder ab durch die Mitte. Die Frühaufsteher kamen am Cap Fréhel noch ungeschoren davon, der Wärter am Kassenhäuschen hatte noch nicht ausgeschlafen. Der Rest musste 2 Euro berappen, um der französischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Der Ausblick hat sich aber gelohnt bevor wir der Küste Au revoir sagten und uns auf den Weg nach Süden machten. Nach 80 Km Nationalstraße ging es durch den Nationalpark Huelgoat und nun waren wir mittendrin im Asterix Land. Der Wald von Huelgoat mit seinen mächtigen Steinkolossen ist die Wiege zahlreicher Sagen und Legenden um Druiden und Feen. Hier lohnte ein Stopp in dem gleichnamigen Städtchen, sehr schön an einem See gelegen. In Pont Aven angekommen freuten wir uns auf drei Nächte und damit eine willkommene Pause beim Kofferpacken.

RUNDTOUR POINTE DE PENHIR

200 Km standen heute im Roadbook und mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass jemand das Auto stehen ließ. Karin Windel fuhr heute bei Angelika und Theo im Peugeot mit und Andreas machte den Co Piloten bei Friedrich und fuhr in der BMW Gruppe mit. Bei bestem Wetter und einer leichten Brise war der Besuch auf der äußersten Landspitze, die in den Atlantik ragt, ein besonders eindrucksvolles Erlebnis. Meeresfrüchte zum Mittagessen in einem der Fischerorte sorgten wieder für Gaumenfreuden. Die Steinfelder von Lagatjar und der Calvair in Pleyben rundeten das Besuchsprogramm ab. Das Abendessen verlegten wir wegen der sommerlichen Temperaturen kurzerhand ins Freie, nicht zu fassen im September in der Bretagne.

KLEINE RUNDTOUR NACH CONCARNEAU

Dieser landschaftliche Leckerbissen hat glaube ich alle begeistert. Auf kleinsten Sträßchen ging es vorbei an malerischen Häfen und Buchten. Das intensive Blau des Atlantik, die glitzernden Sonnenstrahlen auf dem Wasser und pittoreske Dörfer mit ihren Reetdachhäusern schufen eine einzigartige Atmosphäre. Es folgte ein entspannter Bummel durch die Ville Close in Concarneau und wer Lust hatte, nahm noch einen Café im L´Amiral, der Stammkneipe von Kommissar Dupin, der heute aber nicht da war. Wohl bei Ermittlungen irgendwo anders. Am Abend gab Geburtstagskind Angelika eine Runde Cidre aus. Eine Zwei Mann Kapelle in voller Tracht brachte mit Dudelsack und „Tröte“ ein Ständchen mit landestypischen Weisen. Einige von uns legten dazu einen waschechten bretonischen Gruppentanz auf´s Parkett. Geht doch! Die Musik war fesch und doch für so manch empfindliches Ohr so durchdringend, dass Hans Albrecht mit staubtrockenem Humor anmerkte: „Jetzt weiß ich warum die in den Asterix Geschichten den Troubadix am Abend beim Wildschweinessen immer gefesselt und geknebelt haben“. Bevor es in diesem Fall dazu kommen konnte, zogen wir uns zum Gruppenfoto auf der Freitreppe zurück und ließen den Abend mit dem Dinner im Freien in bester Stimmung ausklingen.

7. ETAPPE / Pont Aven - Chartres

So schnell vergeht die Zeit. Heute ging es weiter. 450 Kilometer lagen vor uns. Einige fuhren den ersten Teil bis Rennes über die vierspurige Nationalstraße, um ordentlich Strecke zu machen. Andere fuhren ganz nach Roadbook über kleinere Landstraßen wo wir aber auch gut vorwärts kamen. Das Grab von Merlin konnte im Wald von Brocéliande besichtigt werden und bei der Empfehlung zur Mittagsrast kam nach den vielen Fischgerichten am Meer wieder Fleisch auf den Teller. Wolfgang Henseler übernahm in Chartres die Parkplatzeinweisung, weil der Peugeot von Angelika und Theo auf der Etappe etwas schwächelte und die beiden abgeschlagen am Ende des Feldes das Tagesziel erreichten. Einige machten sich nach dem Dinner noch in die Stadt auf und berichteten anschließend begeistert von der imposanten Illumination vieler Gebäude in der Stadt.

FREIER TAG IN CHARTRES

Um zehn Uhr stand eine geführte Besichtigung der weltberühmten Kathedrale und der Krypta auf dem Programm. Eine sehr nette Dame war eigens aus Paris angereist, wie sie uns erzählte, um uns in die sakrale Welt des Mittelalters mitzunehmen. Zunächst aber passte der Schlüssel zum Tor der Krypta nicht richtig, selbst einige unserer fachkundigen Tüftler kamen zunächst nicht zurande. Wer auch immer den magischen Spruch dann dabei geflüstert haben mag; schlussendlich gab die Tür nach und öffnete uns den Weg ins Unterirdische. Wir erlebten eine wirklich gute, weil fachkundige Führung, die mehr als zwei Stunden dauerte. Am Nachmittag war Flanieren, Shoppen oder beides angesagt und am Abend suchte sich jeder ein passendes Restaurant zum Dinner.

8. ETAPPE / Chartres - Vienne le Chateau

Heute hieß es bei 320 Km Strecke noch einmal Gas geben. Aber bei wenig Verkehr war das kein Problem. Es ging durch den Wald von Fontainebleau zügig voran und wir kamen in die Champagne. Bei einem Stopp in der bekannten Champagner Kellerei Feuillatte konnten die Bestände wieder aufgefüllt oder nur ein Präsent für die Lieben daheim erworben werden. Nach einem schönen Fahrtag erreichten wir wieder die Ardennen. Das Hotel Le Tulipier wartete mit typisch französischem Flair auf. Das hieß, heute wurde unter Laken und Wolldecken geschlafen. Die absolute Ruhe der Natur tat richtig gut, nach der Großstadt Chartres also eine willkommene Abwechslung. Zu dem schmackhaften 5 Gang Fest Menu war der Wein heute frei und von Angelika und Theo übernommen worden. Der Kenner genießt und schweigt, daher machen wir an dieser Stelle auch keine Angaben zur Anzahl der Flaschen, die dran glauben mussten.

9. ETAPPE / Vienne le Chateau - Hillesheim

Endlich wieder Kurven satt in den Ardennen und später in der Eifel. Ein Rest durch Frankreich, dann ein Zipfel Belgien, ein Scheibchen Luxembourg und zurück nach Deutschland. Eine Vier Länder Etappe sozusagen. Die Fahrt durch das malerische Müllerthal unterbrachen einige zum Mittagessen in dem empfohlenen Restaurant, wo es richtig gute Flammkuchen gab. Gut gestärkt ging es dann über die Grenze und mit Volldampf durch die Eifel nach Hillesheim. Geschafft! Keiner war auf der langen Reise liegen geblieben. Alle Autos waren offensichtlich bestens vorbereitet. So hieß es am Abend bei der Siegereherung für alle Gold und die Stimmung war prächtig. Ein gelungener Schlusspunkt am Ende der Großen Normandie Bretagne Tour. Jedes Team bekam von Angelika und Theo noch eine Flasche Cidre Brut als Erinnerung an die Reise bis an´s Ende der Welt und als Dankeschön für die schöne Zeit.

Text: Theo Sprenger; Fotos: Heike Henseler, Theo Sprenger




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